Der Wettlauf mit sich selbst - Von Konrad Lorenz | Dieter-Broers.de

der-wettlauf-mit-sich-selbst-dieter-broers»Jeder Mensch ist in jedem Augenblick fähig,

sich alles dessen zu erinnern, was ihm je geschehen ist,

und alles wahrzunehmen, was irgendwie im Weltall geschieht.«

Henri-Louis Bergson

Liebe Freu(n)de,

wie ich Euch bereits in Aussicht gestellt habe, möchte ich an eine Arbeit eines der bedeutendsten Verhaltensforscher erinnern. Konrad Lorenz (1) zählt sicher zu den der bedeutendsten Verhaltensforschern. Für seine herausragende Forschungsarbeit erhielt er 1973 den Nobelpreis und leitete bis dahin das Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie. Im gleichen Jahr veröffentlichte Konrad Lorenz ein Resümee seiner langjährigen Studien. Sein Buch „Die acht Todsünden der Menschheit“ (2) ist bedauerlicherweise nur noch wenigen Menschen bekannt. Heute möchte ich Euch eine Passage aus diesem Buch in Erinnerung bringen. Ich lade Euch zu einem Abgleich zwischen seinen Thesen und Eurer gegenwärtigen Welt- und Einsicht ein. Wie seht Ihr seine Argumente heute? Was fühlt Ihr, wenn Ihr seine Aussagen auf Euch einwirken lasst? Konrad Lorenz untersucht in seinem Buch primär Vorgänge der Dehumanisierung (3), die nicht nur unsere heutige Zivilisation und Kultur, sondern die Menschheit als Ganzes mit dem Untergang bedrohen. Er warnt eindringlich vor Missverständnis und Fehlverhalten aus einer „pseudodemokratischen Doktrin“, wonach unser soziales und moralisches Verhalten ausschließlich durch die Umwelt „konditioniert“ werde.

Mein für heute gewähltes Thema betrifft eines seiner acht Thesen Der Wettlauf mit sich selbst“ (die Konrad Lorenz zu einer seiner acht aufgestellten „Todsünden“ erhob). Obwohl mich die Formulierung „Sünde“ im Grundsatz stört, meine ich doch, dass seine Erkenntnisse von außerordentlicher Tragweite sind. Wie Ihr gleich erkennen werdet, beschreibt diese These einen wesentlichen Aspekt in meinem Buch „Der verratene Himmel – Rückkehr nach Eden.“. Im 4. Kapitel „Das Tor zum Garten Eden – Fremdbestimmung und Selbsterkenntnis“ heißt es z.B.:

Es geht nicht darum, das zu suchen, was ›Ich‹ möchte, sondern das, was mein wahres Selbst sich ersehnt. Dieser Unterschied muss von meinen Denkprogrammen richtig verstanden werden. Gemeinsam konnten wir ein besseres Verständnis über die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen unserem Ego, unserem Verstand und Selbst erarbeiten. Ich habe vermittelt, dass unser Selbst die eigentlich wahrnehmende Instanz ist. Wir sind unser Selbst. Als Mensch ist unser Selbst das Zentrum von Verstand und Ego, wobei unser Ego sich zu einer eigenständigen Instanz entwickelt hat….“

So beginne ich heute mit folgendem Zitat von Konrad Lorenz:

Ein Wesen, das um die Existenz seines eigenen Selbst noch nicht weiß, kann unmöglich begriffliches Denken, Wortsprache, Gewissen, und verantwortliche Moral entwickeln. Ein Wesen, das aufhört zu reflektieren, ist in Gefahr, all diese spezifisch menschlichen Eigenschaften und Leistungen zu verlieren. Einer der bösesten Auswirkungen der Hast oder vielleicht unmittelbar der Hast erzeugenden Angst ist die offenkundige Unfähigkeit moderner Menschen, auch nur kurze Zeit mit sich selbst allein zu sein. Sie vermeiden jede Möglichkeit der Selbstbesinnung und Einkehr mit einer ängstlichen Beflissenheit, als fürchteten sie, dass die Reflexion ihnen ein geradezu grässliches Selbstbildnis entgegenhalten könnte, ähnlich dem, was Oscar Wilde in seinem klassischen Schauer-Roman „The Picture of Dorian Gray“ beschreibt. Für die um sich greifende Sucht nach Lärm, die bei der sonstigen Neurasthenie (Nervenschwäche) moderner Menschen geradezu paradox ist, gibt es keine andere Erklärung als die, dass irgendetwas übertäubt werden muss.

Die Menschen leiden also unter den nervlichen und seelischen Beanspruchungen, die der Wettlauf mit ihresgleichen ihnen auferlegt. Obwohl sie von frühester Kindheit an darauf dressiert werden, in allen wahnsinnigen Auswüchsen des Wettbewerbes Fortschritte zu sehen, schaut den gerade fortschrittlichsten unter ihnen die sie treibende Angst am deutlichsten aus den Augen und die tüchtigsten und am meisten „mit der Zeit gehenden“ sterben besonders früh an Herzinfarkt.“

Liebe Freunde, bitte lasst diese Zeilen in aller Ruhe auf Euch einwirken. Denkt und fühlt Euch in sie hinein. Versucht zu beobachten, wie Ihr darauf reagiert. Für mich haben diese Zeilen mit dazu beigetragen, ein Stück näher zu meiner Selbsterkennung zu kommen, deren Zuwachs ich jedes Mal als eine außerordentliche Freude erfahre, auch wenn mich manches, was ich in der nachträglichen Verarbeitung von Erlebnissen und Ereignissen aus der heutigen (Ein-)Sicht ganz anders bewerte, als zum damaligen Zeitpunkt, schmerzt und mit Wehmut erfüllt. Ein inneres Wachsen und Heilung kommt zustande, wenn man den Mut aufbringt, die Erinnerungen zuzulassen, hinzuschauen, sich Fehler einzugestehen, sie auch sich selbst gegenüber schonungslos betrachtet und neu bewertet und dabei den Grundsatz beherzigt, dass jeder zu jeder Zeit immer das aus seiner Perspektive Beste gibt und tut und dass es “nur“ der seinerzeitigen Unwissenheit/Unbewusstheit zu schulden war, dass man es nicht damals schon besser wusste und sich „richtiger“ verhalten konnte. Wir haben uns diese physische Existenz ausgesucht, um diese Lernschritte zu machen. Die gründliche innere Reflektion und Verarbeitung unserer Erlebnisse ermöglichen es, die Ereignisse immer differenzierter und nuancierter wahrzunehmen und uns so einer immer objektiveren Bewertung der Wirklichkeit zu nähern. Das erlaubt uns, das Gleichgewicht zwischen uns und allem und allen, die uns umgeben und beeinflussen wieder herzustellen, zu erkennen, was uns „aus der Kurve getragen“ und von uns selbst entfernt hat und zu uns selbst zurückzufinden.

Me Agape

Dieter Broers

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Lorenz

(2) Konrad Lorenz, Die acht Todsünden der Menschheit, Kapitel: Der Wettlauf mit sich selbst, Passagen aus den Seiten 36 und 37. Piper Verlag.

(3) Dehumanisierung: Entmenschlichung von Gegnern durch verbale Aggression, Diffamierung von Mitmenschen. http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/dehumanisierung/17119

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